Tagesspiegel-Kolumne zum Thema Inklusion von Maria Tietze

Kolumne von Maria Tietze: Reden wir mal über Inklusion!

Unsere Kolumnistin Maria Tietze bereitet sich auf die Saison vor und probiert dabei etwas Neues aus.

Draußen ist es nass und kalt, das heißt in der Leichtathletik: Aufbautraining für die neue Saison. Wir kreiseln also für die Kondition durchs Stadion, den Stabi-Zirkel und den Kraftraum. Zur Abwechslung hüpfen wir Treppen hoch und manchmal wieder runter oder sitzen für eine oberschenkeltötende Cardio-Einheit auf dem Spinningrad.

Es ist aber auch die Zeit, in der ich mal etwas ganz anderes machen kann. Golf spielen zum Beispiel. Ende des vergangenen Monats waren meine Trainingsgruppe vom TSV Bayer Leverkusen und ich zu einem inklusiven Golfturnier beim GC Grafenberg in Düsseldorf eingeladen. Inklusion ist seit einiger Zeit in aller Munde, aber wird sie auch wirklich auf allen möglichen Ebenen gelebt?

Ich gehöre ja auch zu einer Minderheit und sage: Nein, noch fehlt uns ein bisschen was. Zum Glück gibt es auch außerhalb der Parasportverbände Menschen, die daran etwas ändern möchten. Sport verbindet, heißt es auch sehr oft und so stellten Hennig Wachholz als Organisator und das Ehepaar Barbara und Dirk Schäfer als Schirmherren das erste inklusive Golfturnier im Golfclub Grafenberg auf die Beine.

Im Mittelpunkt standen neben erfahrenen und jungen Golfer:innen des Clubs auch Spieler:innen der Special Olympics, der vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) offiziell anerkannten Sportbewegung für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung. Aus dem paralympischen Bereich (Athlet:innen mit körperlicher Behinderung) gesellten sich zu meinen Kumpanen und mir noch ein paar Spieler:innen der Rollstuhltennisnationalmannschaft.

Die letzten beiden Gruppen schwangen auch den Schläger, trafen manchmal den Ball und irgendwann auch mal das Loch, griffen aber nicht ernsthaft die Wertung an. Denn mal ganz ehrlich, wenn Markus Rehm meinen Golfball beim Weitsprung (Weltrekord 8,62 m) in der Hand hätte, flöge mein Ball weiter als nach meinem Abschlag. Natürlich findet auch ein blindes Huhn wie ich einmal ein Korn. Insgesamt ist eine Übungsstunde auf der Driving Range für mich aber eher frustrierend als alles andere.

So schnell kann man vom Sportexperten zum blutigen Anfänger werden – man muss einfach nur die Sportart wechseln.

Genau aus diesem Grund hatten die Veranstalter den Scramble als Turnierspielform ausgewählt. In Vierergruppen bestehend aus einem Teilnehmer aus dem Feld der Special Olympics und mindestens eine:m erfahrenen Golfer:in ohne Behinderung plus Paraathlet:innen bewegten wir uns eher gemächlich über das Grün. Im Scramble spielen alle vier für eine Teamwertung. Jede:r schlägt den eigenen Ball ab, das Team entscheidet darüber welcher Ball am günstigsten liegt und von dort spielen dann alle weiter. So konnte selbst meine Gruppe bei manchen Löchern unter Par landen. Was auch bei mir dazu führte, die vorher aufgebaute Frustration wieder etwas loszuwerden.

Es geht nicht um Ergebnisse, sondern um das Miteinander

Letztendlich ging es ja auch gar nicht nur um den Sport und erst recht nicht um die Ergebnisse sondern vielmehr um das Miteinander. Auf dem Grün und hinterher beim Zusammensein waren alle gleich – unterschieden nur durch das mehr oder weniger vorhandene Golftalent. Wenn noch herzergreifende Dankesreden von Teilnehmern gehalten werden und die Schirmherren zusichern, die Golfer:innen bei den Special Olympics Nationalen Spielen in Berlin im Juni 2022 zu unterstützen, war es trotz Regens und Kälte ein gelungener Turniertag.

Ja, Inklusion ist in aller Munde und manchen hängt dieses Thema womöglich zum Halse raus. Persönlich bin ich der Meinung, dass wir es nicht mehr thematisieren müssten, wären wir bei gelebter Inklusion angekommen.

Bis es so weit ist, lasst uns darüber reden.

Quelle: Tagesspiegel, Maria Tietze

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