Haben Sie schon das kleine Bienenhäuschen auf dem Golfplatz gesehen?

Dort ist bei sonnigem Wetter ein reger Flugbetrieb zu beobachten.
Aber wie funktioniert eigentlich das Leben in diesem kleinen Häuschen und wie ist es entstanden? Wer sich ein wenig Zeit nimmt, wird es in der folgenden, sehr ausführlichen Beschreibung erfahren.

Wie viele Bienen stecken in dem Bienenhäuschen?
Enthalten sind fünf Waben und ein Leerrähmchen. Wenn alle Waben voll mit Bienen besetzt sind, rechnet man pro Wabe etwa 2000 Bienen, also etwa 10.000 Bienen. Dieses wird i.d.R. zur Sommersonnenwende am 21. Juni erreicht. An diesem Entwicklungshöhepunkt der Bienen gibt die längste Sonneneinstrahlung des Jahres für die Arbeiterinnen automatisch eine längere Tagesarbeitszeit vor. Die Folge: Die Königin wird durch den ständig hereinkommenden Nektar- und Pollenstrom und dem ohnehin schon stark gewachsenen Honigvorrat zu Höchstleistungen angeregt. Das bedeutet bei normal großen Völkern mit 20 Brut-bzw. Pollenwaben und 20 Honigwaben eine Legeleistung von 2000 Eiern pro Tag, was mehr als das eigene Körpergewicht der Königin ist!

Hat die Bienenkönigin eigentlich einen Stammbaum und warum war ihre Oma auf Norderney?
Ja, die „Golfplatzkönigin“ ist die Enkelin der Königin, die auf dem Rücken die Nummer 64 trug. Diese stammte von einer reinrassigen Königin der Rasse Carnika ab, die vom Landwirtschaftlichen Bieneninstitut Kirchhain in Hessen nach besonderen Kriterien gezüchtet wurde (z.B. ruhiger Wabensitz, Sanftmütigkeit, Honigertrag, usw.). Nach dem Schlupf aus der Eizelle der betreffenden reinrassigen Königin der Generationsfolge 7
(dokumentiert am 29.5.2017) wurde sie direkt auf die Nordseeinsel Norderney gebracht. Auf dieser Insel gibt es nur reinrassige Drohnen, die darauf warten, die auf dem Festland gezüchteten Königinnen zu befruchten (der Imker sagt „begatten“). Laut Zuchtbuch der Besamungsstelle Norderney war die Begattung erfolgreich, weil die Königin am
16.6.2017 mit der ersten Eiablage begann. Nach dem Rücktransport zum Kirchhainer Institut landete die Königin schließlich per Post in einem kleinen Futterkäfig im Briefumschlag mit Luftlöchern in Gerresheim.

Was passiert beim Hochzeitsflug der Bienenkönigin?
Wenige Tage nach dem Schlupf aus der „Weiselzelle“ (Geburt) beginnt die Weisel (Königin) mit ihren Hochzeitsflügen, um jeweils aus 10 – 40m Höhe im Sturzflug nach unten von einer Drohne begattet zu werden. Kurz vor dem Boden trennen sich Drohne und Königin, wobei das „Begattungsorgan“ der Drohne abbricht und häufig im Hinterleib der Königin stecken bleibt. Dieses „Begattungszeichen“ kann man entdecken, wenn die Königin zu ihrem Bienenstock über das Anflugbrett heimkehrt. Die weiblichen Ammenbienen machen sich sofort daran, sie von dem Fremdkörper zu befreien. Von vielen hundert Drohnen kann nur eine „erfolgreich“ sein und weil dieser nach dem Begattungsakt ein wichtiges Körperteil fehlt, stirbt sie anschließend. Die Königin wird übrigens innerhalb von 14 Tagen nach ihrem Schlupf (ihrer Geburt) von bis zu 12 verschiedenen Drohnen begattet, das heißt: ihr Samenvorrat in der Samenblase – ein genetischer Mix aus verschiedenen von besonders durchsetzungsfähigen Drohnenvätern – wird einmal und nie wieder so weit aufgefüllt. Das reicht dann zur Befruchtung von täglich bis zu 2000 Eiern und zwar bis zu vier Jahre lang. Eine gewaltige Zahl an Eiern!

Und was hat die „Golfplatzkönigin“ mit der Kirche St. Margareta in Gerresheim zu tun?
Es fragt sich natürlich, wie findet eine kleine Königin in der großen, weiten Landschaft einen entsprechenden männlichen Samenspender? Magisch angezogen werden paarungsbereite (weibliche) Königinnen und (männliche) Drohnen von herausragenden, markanten Punkten in der Landschaft. Das sind in Gerresheim der Fernsehturm, die Kirche St. Margareta und der Turm der Gerresheimer Glashütte. Dort befinden sich die so genannten „Drohnensammelplätze“. Die „Golfplatzbienenkönigin“ ist nahe der Gerresheimer Quadenhofstraße aus der Zelle geschlüpft und hat sich deshalb wahrscheinlich den nächsten Drohnensammelplatz ausgesucht und der liegt über der Kirche St. Margareta. Nach der Begattung wurde diese Königin zum besseren Wiederauffinden mit einem grünen Punkt gekennzeichnet. Dieses ist die Jahresfarbe von 2019. Im Jahr 2018 erhielten die Königinnen in Deutschland eine rote Farbe.

Wie kann die Bienenkönigin bestimmen, ob aus dem Ei eine Drohne oder eine Arbeiterin schlüpft?
Der Bienenkasten auf dem Golfplatz enthält ein Leerrähmchen (ohne eine auf einer Wachsplatte vorgestanzte Mittelwand). Wenn die Baubienen auf einen Freiraum treffen, konstruieren sie einen Wildwabenbau, der vorzugsweise relativ große Zellen für den Honig bzw. die Eiablage besitzt. Wenn die Königin auf die kleineren – vom Imker vorgegebenen – Zellengrößen trifft, legt sie dort ein Ei hinein, das sie zielgenau an der Samenblase mit einem männlichen Samen befruchtet, bevor sie das Ei am unteren Zellenrand ablegt. Wenn sie hingegen auf größere Zellen als beim Wildwabenbau trifft, führt sie das zu legende Ei in ihrem Hinterleib so geschickt an der Samenblase vorbei, dass dieses Ei nicht befruchtet wird. Aus befruchteten Eiern entstehen weibliche Arbeitsbienen und aus den unbefruchteten Eiern entstehen männliche Drohnen. Letztere haben zwar eine Mutter, aber keinen Vater. Sie haben jedoch einen Großvater und eine Großmutter.

Woher bekommen die weiblichen Bienen ihre „Antibabypille“?
Wenn man eine Bienenkönigin aus dem Volk herausnimmt, bemerkt spätestens nach einer Stunde auch die letzte Biene, dass ihre Mutter nicht mehr für sie da ist, obwohl es drinnen stockdunkel ist und keine Biene die Königin jemals sieht (zu erkennen am stärkeren Brummen bzw. Aufbrausen des Volkes). Das liegt an dem plötzlich fehlenden Pheromon (Königinnensubstanz), das die Königin fortlaufend absondert. Der sie
umgebende „Hofstaat“, der sie ständig beleckt und mit hochwertigem Futtersaft füttert, gibt dieses Pheromon über den Mund weiter an andere weiter verteilende Bienen. Also eine ständige Mundpropaganda. Dieses chemische Anwesenheitszeichen der Königin dient außerdem als eine Art Antibabyhormon, das dazu führt, dass die Eierstöcke der anderen weiblichen Bienen unterentwickelt bleiben und sie deshalb keine eigenen Eier legen können.

Was passiert mit dem Volk, wenn die Königin stirbt oder entnommen wird?
Das fehlende Pheromon aktiviert bei den Bienen schon nach kurzer Zeit ein „Nachzuchtprogramm“ zum Erhalt einer neuen Stammesführerin. Das kann auch bei einer altersschwachen Königin passieren, die in der „Menopause“ angekommen ist… Wenn die Königin noch zuletzt normale Eier gelegt hat, aus denen am 4. Tag zunächst auch normale Bienenmaden schlüpfen würden, hat sie damit auch die Zukunft ihres Volkes gesichert. Das Volk wählt dazu einige Maden willkürlich aus und füttert sie mit einem ganz besonderen Futtersaft, dem Jelee Royale. Dieses Futtermittel besitzt eine ganz besondere Aminosäurezusammensetzung, die dazu führt, dass aus einem ganz normalen Arbeiterinnenei eine Herrscherin über 50.000 Bienen werden kann. Ein einzigartiges Naturphänomen, das bewirkt, dass über eine geänderte Nahrung eine Genmutation stattfindet, die zu einer „Hochleistungsmaschine“ führt, die täglich so viele Eier produziert, wie ihr eigenes Körpergewicht.

Und warum führt das dann zu den Bienenschwärmen?
Weil im Volk meist mehrere solcher Nachwuchsköniginnen parallel produziert werden (siehe oben), führt das dann, wenn die Erstgeborene die anderen Zellen nicht ausstechen kann, bzw. der Imker nicht rechtzeitig eingreift, zu den bekannten Bienenschwärmen. Weil es nur eine (starke) Königin geben kann, flüchten die anderen Königinnen mit einem mehr oder weniger großem Hofstaat aus dem Bienenstock, um sich woanders eine Existenz zu suchen. Diese Teilung des Volkes ist eigentlich ein ganz normaler Vermehrungsvorgang. Allerdings haben in unserer Kulturlandschaft die Schwärme (ohne Imker) in der Regel keine Überlebenschance.

Was passiert, wenn die Nachschaffung einer Königin misslingt?
Wenn die alte Königin verschwunden ist und keine Eier mehr vorhanden sind, aus denen sich das Volk die Nachkommenschaft sichern kann, fangen plötzlich die bislang unterentwickelten Eierstöcke der weiblichen Arbeitsbienen an zu wachsen. Das liegt daran, dass die Eierstöcke nicht mehr wie bisher von dem „Antibabyhormon“ der Königin daran gehindert werden, Eier zu produzieren. Plötzlich fangen einige dieser Arbeiterinnen an, Eier zu legen. Weil diese Eier ja nicht von männlichem Samen befruchtet wurden, entstehen aus diesen Eiern nur männliche Drohnen. Man nennt diese Arbeiterinnen deshalb auch „Drohnenmütterchen“. Deren ausschließlich männlichen Kinder haben keinen Vater, aber sie haben eine Mutter, eine Großmutter und einen Großvater. Ein derart „verdrohntes Volk“ ist dem Untergang geweiht und wird vom Imker so aufgelöst, dass die Bienen sich in andere Völker „einbetteln“ können.

Gibt es die sogenannte „Drohnenschlacht“ wirklich?
Ja! Nach Meinung der weiblichen Arbeitsbienen sind die männlichen Drohnen nur unnütze Fresser, die den ganzen Tag nur herumlungern und auf den Drohnensammelstellen (s.o.) auf eine sehr seltene Chance warten, die Königin zu begatten. Damit diese Drohnen sich nicht über den mühsam angelegten Winter-Honigvorrat hermachen, verwehren ihnen die „Türsteher“ (Wächterbienen) an den Bienenstockeingängen spätestens im September den Zutritt. Dabei kommt es häufig zu Rangeleien und stärkeren Abwehrmaßnahmen (“Drohnenschlacht“), die dazu führen, dass im Winter keine einzige Drohne mehr im Stock zu finden ist.

Warum stimmt es nicht, dass die Bienen, die wir im Garten sehen, fleißig sind?
Man hat statistisch festgestellt, dass die Flugbiene nur etwa 2,7 mal täglich den Bienenstock zu einem Ausflug verlässt. Die übrige Zeit verbringt die (ältere) Flugbiene relativ ruhig im Stock. Andere sind fleißiger: Die Jungbienen, die noch nicht ausfliegen, aber im Stock ihre Hausarbeiten verrichten. Sie übernehmen den von den Flugbienen ausgespuckten Nektar von Mund zu Mund und lagern ihn in den Zellen ein, füttern die vlelen aus den Eiern schlüpfenden Bienenmaden und säubern und bewachen das Heim. Und natürlich versorgen sie ihre „Hochleistungsmaschine“- Königin mit einem steten Futterstrom, da diese ja im Juni täglich so viele Eier legt, wie sie wiegt.

Wo erfahre ich mehr über das Hobby der Imkerei?
Wer jetzt vielleicht neugierig geworden ist, und sich für das Hobby der Bienenhaltung interessiert, findet im Bienenzuchtverein Düsseldorf e.V. die notwendige Beratung und Unterstützung. Im Internet finden Sie den Verein unter „www.bienenzuchtverein-duesseldorf.de“. In jedem Frühjahr werden hier kostenlose Anfängerkurse durchgeführt, für die man sich derzeit wegen der großen Nachfrage frühzeitig anmelden sollte. Die Beschäftigung mit Bienen in der Natur ist ein faszinierendes Hobby mit dem sich lange Zeit vorwiegend ältere Menschen beschäftigt hatten. Neuerdings gibt es einen großen Zustrom auch junger, naturbegeisterter Imkerinnen und Imker.

Wolfgang Herbort

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